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(09.06.2009)
Erschienen in der Passauer Neuen Presse vom 09.06.2009; Autor Wolfgang Lampelsdorfer
Auch wenn von der aktuellen Krise viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie besonders betroffen sind - die Firmen Edscha, ZF, Knorr-Bremse oder Hatz sind Beispiele dafür - gibt es nach Verbandsangaben dennoch keinen Grund zur Panik. Es gebe Silberstreifen am Horizont - und: etliche Firmen, die durch innovative Produkte und kreative Strategien positive Zeichen setzen, machten Mut. Bei einem von den bayerischen Metallarbeitgeberverbänden organisierten Gesprächsabend in Deggendorf nahm der Verband zur Lage Stellung und drei Firmenchefs aus Niederbayern verrieten, wie sie der Krise trotzen.
Die bundesweiten Wirtschaftszaheln für die Metallbranche seien nicht gut, beklagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metallarbeitgeberverbände Bay-ME und VBM: 36 Prozent Auftragsrückgang im ersten Quartal, 27 Prozent Minus in der Produktion. Die Betriebe seien in Bayern nur mehr zu 71.5 Prozent ausgelastet - im vergangenen Oktober habe der Wert noch bei 90 gelegen. "Mutlos muss man dennoch nicht sein", betonte er. Und es ist begründet:
- Mit dem Instrument der Kurzarbeit habe ein sprunghaftes Ansteigen der Arbeitslosigkeit verhindert werden können.
- Das Land China, das fünf Prozent der bayerischen Exporte abnehme, erwarte acht Prozent Wirtschaftswachstum und auch der indische Markt prosperiere. Das ergebe Exportchancen.
- Sogar in den USA gebe es Lichtblicke: Die neue Politik lasse sektorale Verschiebungen erwarten, hin zu Klimaschutz und ressourcenschonender Produktion - Bereiche, in denen bayerische Firmen besonders gut aufgestellt seien.
- Sparten wie Medizintechnik und Energiewirtschaft enntwickelten sich gut.
- Die Verbraucher bleiben in ihrer Kauflaune standhaft.
- Mehrere Wirtschaftszweige wie die Kfz-Branche oder der Bau profitierten von den staatlichen Konjunkturprogrammen.
- Der Ifo-Geschäftsklimaindex hat ebenso bessere Werte ergeben wie auch das PNP-Konjunktur-Barometer Ostbayern. Das zeigt: Die Unternehmer sind wieder etwas positiver gestimmt. "Und Zuversicht ist das beste Konjunkturprogramm", sagte Brossardt.
Dass dieser wieder stärker gedeihen könne, dazu würden auch "Leuchtturm-Firmen" beitragen, die gut durch die schwierigen Zeiten steuerten.
Eine sei die Firma Zambelli mit Sitz in Haus im Wald bei Grafenau. Deren Geschäftsführer Andreas von Langsdorff nannte die Erfolgsgründe. So sei das Unternehmen (750 Mitarbeiter, 2008 rund 85 Mio. Euro Umsatz) auf verschiedenen Feldern tätig - etwa im Baubereich (Metalldachsysteme) oder im Bereich Bibliotheks- und Archivsysteme. Nicht alle Bereiche hätten Rückgänge zu verzeichnen, und sollte das eine Produkt in der zweiten Jahreshälfte schwächeln, würden andere schon wieder stärker.
Außerdem ermögliche die Teilproduktion in Tschechien eine günstige Kostenstruktur. Zwar gebe es in Teilbereichen Kurzarbeit, in Budweis sei Personal abgebaut worden, doch ansonsten könne man Kündigungen wohl vermeiden. Obwohl man heuer von einem Umsatzrückgang gegenüber 2008 um rund sieben Millionen Euro auf 97 Millionen Euro ausgehe, werde weiter investiert - etwa heuer bereits in ein neues Blechbearbeitungszentrum in Wegscheid sowie einen neuen Standort in Stephansposching (Landkreis Deggendorf). Die Firma werde ihr Lager konsolidieren, noch mehr in Vertrieb und Logistik aktiv sein und ansonsten die Automatisierung weiter vorantreiben: "Die Zeit nach der Krise wird kommen, und wir werden darauf vorbereitet sein", sagte von Langsdorff.
Dr. Max Frank, Geschäftsführender Gesellschafter der Max Frank GmbH in Leiblfing, sieht drei Hauptsachen für den Erfolg seines Unternehmens in der Krise: die Orientierung am Mitarbeiter, die geschickte Nutzung der Globalisierung sowie eine Kultur der Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens. Das Unternehmen entwickelt seit fast 50 Jahren Technologien für die Bauindustrie, für Tunnels und Brücken ebenso wie für Hochhäuser und Kraftwerke. Mit den Geschäftsbereichen Abstandshalter, Schalungs- und Bewehrungs- und Dichtungstechnik sowie Akustik beschäftigt es derzeit 403 Mitarbeiter in Niederbayern und Oberfranken, 115 Mitarbeiter sind in den zwölf Auslandsniederlassungen angestellt. "Zuversicht braucht Vetrauen", weiß Max Frank: Nur mehr 40 Prozent des Umsatzes generiert die Firma derzeit in Deutschland, dennoch konnte auch hier das Personal in den letzten Jahren deutlich aufgestockt werden. Ob in Dubai oder Singapur: Ein Kernpunkt der Globalisierungsstrategie ist es, die Internationalen Dependencen mit lokalen Mitarbeitern zu besetzen, die die Sprache des Kunden vor Ort sprechen, dessen konkrete Bedürfnisse kennen und zielgruppengenau umsetzen. Denn die Bedürfnisse können sich durchaus immer wieder ändern. "Um global zu handeln, müssen wir regional denken", erklärt Dr. Frank. Wenn in Dubai gerade Flaute ist, tut sich vielleicht ein paar hundert Kilometer weiter in Abu Dhabi etwas anderes auf. Und macht in Singapur der Wohnungsbau Probleme, gibt es anderswo Konjunkturprogramme.
Weltweit operiert auch die Ortenburger R. Scheuchl GmbH, ein Spezialist für Anlagenbau, Gießerei, und Energietechnik mit derzeit 100 Mitarbeitern. Und auch hier heißt das Zauberwort Diversifizierung. Schwache Nachfrage aus dem Umfeld kann so aus anderen Bereichen kompensiert werden. Insbesondere die Energie- und Verfahrenstechnik habe derzeit Konjunktur: Energiegewinnung aus der Abluft hilft Kosten sparen, und selbst die Autoindustrie braucht das Know-how aus Ortenburg, weil derzeit fieberhaft an energieeffizienteren Modellen gearbeitet wird. "Es war da schon eine gewisse Schockstarre bis März. Aber jetzt gibt es wieder Anfragen", berichtet Dinglreiter. Phasen mit schwächerer Auftragslage könnten zudem für Neuentwicklungen genutzt werden - Scheuchl arbeitet hier in einem eigenen Institut eng mit der Uni Regensburg zusammen. Entscheidender Faktor, das machten alle drei Unternehmer deutlich, sei das Vertrauen der Mitarbeiter und die wechselseitige Loyalität: "Gerade in der Krise kann man viel zurückgeben", weiß Dinglreiter.
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